Weingut Eymann. USP Bio.
1984 war Biodynamik ungefähr so sexy wie weiße Socken auf der Pitti Uomo. Die Weinberge wurden gestriegelt und geschniegelt. Bloß kein Löwenzahn. Wer jeden Halm als Störung versteht, sollte sich über charakterlose Weine nicht wundern.
Rainer Eymann hatte das schon verstanden, als Bio noch das Hobby von Idealisten war und Nachhaltigkeit kein Verkaufsargument, sondern eher ein Karrierehindernis. 1984 stellte er konsequent auf ökologischen Weinbau um. Begrünung statt Blankrasur. Mikroorganismen statt Moleküle. Ein Weinberg ist schließlich kein Golfplatz. Vierzig Jahre später verkauft die Branche genau diese Haltung als Innovation.
Heute führt Sohn Vincent Eymann den Betrieb weiter. Konsequenter denn je: biodynamisch, seit 2006 Demeter-zertifiziert. Er hat das Sortiment rigoros verschlankt, mit klarem Fokus auf Riesling und Pinot – mit einem neidischen Blick auf die besten Haardtlagen. 2017 folgte der Lagenchance: Wachenheimer Schlossberg und Dürkheimer Fuchsmantel erweiterten das Portfolio um zwei der spannendsten Terroirs der Mittelhaardt.

Seit 2015 wandert ein Teil jedes Grundweins in eine stetig wachsende Réserve perpétuelle. Solera. Nenn es, wie du willst. Entscheidend ist die Idee: Jeder neue Wein trägt den vorherigen in sich. Deshalb tragen die Flaschen keine Jahrgänge, sondern Nummern. Hier wird nicht ein einzelnes Jahr gefeiert, sondern Kontinuität. Champagnerpressung. Hundert Prozent Holz. Zeit statt Turbo. Diese Sekte wollen nicht jung posen. Sie wollen alt werden.

Pinot Noir und Chardonnay. Ausbau zu 100 Prozent im Holzfass. Die Basis-Cuvée des Hauses, mindestens zwei Jahre Hefelager, unter 2 g/l Dosage. Ernst im Glas, lässig im Auftritt.
Réserve Extra Brut
Der große Bruder der Cuvée. Eigene Fassselektion, ausschließlich kleines Holz, rund 70 Monate Hefelager. Tiefgründiger, komplexer und mit noch mehr Zug. Kurz gesagt: der Banger.
2025 Riesling Mittelhaardt
Seit dem Jahrgang 2025 der neue Gutsriesling. Trauben aus Wachenheim, Bad Dürkheim und Gönnheim auf Buntsandstein- und Lössböden. Zur Hälfte im großen neutralen Holz, zur Hälfte im Edelstahl ausgebaut. Authentischer Pfälzer Terroir-Riesling mit charmanter Sponti-Reduktion und einer Säure, die zischt ohne Ende.
2024 Riesling Alte Reben
Selektion der ältesten Parzellen aus Wachenheim, Bad Dürkheim und Gönnheim. 45 bis über 90 Jahre alte, teils wurzelechte Reben. Spontangärung, Ausbau im Stückfass und zwei Winter auf der Hefe – deshalb erst jetzt gefüllt. Druck, Tiefe und bemerkenswerte Gelassenheit.
2023 Spätburgunder Alte Reben
Bereits in den 90ern wurden erste burgundische Klone und Massenselektionen gepflanzt. Der Wein stammt ausschließlich aus Gönnheim, aus den Lagen Sonnenberg und Mandelgarten. Bis zu 60 Prozent Ganztraubenvergärung, zwei Winter im gebrauchten Barrique, unfiltriert abgefüllt. Kräftiger Typ mit ordentlich Tannin, Farbe und Extrakt. Nichts für Modernisten oder Jünger des hauchdünnen Pinots.
2023 Mandelgarten
Spätestens seit dem Ritterschlag im Frühjahr 2025 kein Geheimtipp mehr. 99 Punkte von Stuart Pigott – die höchste Bewertung, die jemals ein Pfälzer Spätburgunder erhalten hat. Die Trauben stammen aus einer Dichtpflanzung mit 10.000 Reben pro Hektar und winzigen Erträgen von nur wenigen hundert Gramm pro Stock. Ganztraubenvergärung im Holzbottich, zwei Winter Barrique, davon 50 Prozent neues Holz. Urwürziger Pfälzer Pinot. Reifes Lesegut, enorme Konzentration, viel Dichte und ein Lagerpotenzial, das eher in Jahrzehnten als in Jahren denkt.