Cascina Intersenga x Wolf Monferrato Rosso

Über Dennis Wolf muss man eigentlich nicht mehr viel sagen. Nur so viel: Seine Lehrjahre lesen sich wie die Champions League des europäischen Weins – Domaine de l’Horizon, Weingut Klaus-Peter Keller, Domaine Ostertag, Ludwig „Lulu“ Bindernagels Les Chais du Vieux Bourg, Domaine Didier Dagueneau und Domaine Jean-Louis Chave.

Doch dann rief ihn die Barbera-Traube. Mit ihr hatte Dennis bereits in der Pfalz experimentiert, jetzt zog es ihn direkt an die Quelle: ins Piemont. Dort heuerte er als Kellermeister bei der Cascina Intersenga an. Das Weingut, gegründet 1996, liegt auf einem Hügel über den sanft geschwungenen Weinbergen des Monferrato.

Als Dennis dort aufschlug, begann vermutlich die angenehmste Feldforschung der Welt. Monferrato wurde zum Labor, Weingläser zu Messbechern. Die ersten Nebbioli? Respektgebietend, aber auch anstrengend. Tannin wie Schleifpapier in 4K. Sinngemäß dachte er sich: Beeindruckend – aber muss Wein wirklich wie ein Bossfight schmecken?

Dann kam Barbera, der lokale Endgegner der Rotweinszene. Kraft? Ja. Alkohol? Ebenfalls ja. Duft? Eher „Parfümerie mit Überstunden“.
Also stellte Dennis die ketzerische Frage: Was wäre eigentlich mit Barbera plus Nebbiolo? Ein Gedanke, der im traditionellen Piemont ungefähr die gleiche Reaktion auslöst wie Ananas auf Pizza. Sein Joker: Er hatte keine piemontesische Tradition zu verteidigen. Keine Ahnenreihe, die nachts aus dem Barrique steigt und flüstert: „So macht man das nicht.“ Das Experiment war eröffnet.

Barbera liefert das dunkle Rot und die tragende Säure. Nebbiolo steuert florale Präzision und eine Prise aristokratischen Gerbstoff bei. Grignolino wirft Pfeffer und Tee in den Mixer wie ein Gewürz-Alchemist. Dolcetto drückt am Ende den „Saftigkeit + Fruchtfülle“-Button. Dazu kommt ein kleiner Anteil Ganztraubenvergärung – quasi der Extended Director’s Cut der Aromatik.

Jede Sorte wurde zum perfekten Reifezeitpunkt gelesen und separat vinifiziert. Vergoren wurde in offenen Gärbottichen, mit sanften Unterstoßungen und gelegentlicher Remontage. Der Barbera durfte rund fünfzehn Tage Farbe, Duft und Charakter aus den Schalen ziehen. Nebbiolo und Grignolino hatten es eiliger und blieben nur etwa sieben Tage oder sogar kürzer auf der Maische.

Alle Trauben wurden entrappt – bis auf die reifste Partie Barbera. Ein kleiner Teil vergor mit Stielen, sodass am Ende rund fünf Prozent Ganztrauben in der Cuvée landeten. Gerade genug, um dem Wein eine charmante Unverschämtheit mitzugeben.
Anschließend verschwanden die Weine in den tiefen Untergrundkeller und reiften in Eichenfässern. Einige davon sind Dennis’ persönliche Lieblingsfässer aus der Pfalz – Veteranen, die zuvor große Rieslinge wie Im Großen Garten und Kirschgarten beherbergt hatten. Man könnte sagen: Ex-Riesling-Fässer mit Doktortitel.

Nach einem Jahr Fasslager wurden die Weine assembliert – also zur finalen Cuvée zusammengepuzzelt. Danach folgte noch ein weiterer Winter im Edelstahltank, damit sich alles sortieren konnte: Trübstoffe nach unten, innere Ruhe nach oben. Praktisch Wein-Yoga bei niedriger Temperatur. Ende Februar 2026 ungeschönt und unfiltriert abgefüllt.

Das Ergebnis ist ein genialer Blend: ein Wein, in dem jede Sorte ihre eigene Stimme behält, ohne dass jemand den Lautstärkeregler auf „Opernhaus“ stellt. Tief, frisch, floral, würzig und erstaunlich trinkig

 

Wir geben ungern Trinkempfehlungen.  Aber hier machen wir eine Ausnahme: Den Monferrato Rosso Bio 2024 ruhig ordentlich runterkühlen und er morpht zu einem echten Kracher-Sauf-Rotwein – nur eben mit deutlich mehr Stil, als dieses Wort vermuten lässt.

Ach ja, es bleibt noch zu erwähnen, Dennis wird der Pfalz erhalten bleiben, nach der diesjährigen Ernte ist auch seine Liaison im Piemont beendet und es geht wieder back to the roots.